Montag, 27. Juli 2015

Dem Leserglück so nah

Louise Walters hat eine wunderbare Idee gehabt und sie unter dem Titel "Mrs Sinclair's Suitcase" umgesetzt: Sie wollte zwei Lebensgeschichten miteinander verweben und dazu noch die Liebe zu Büchern ins Spiel bringen. Aber ihr Roman hat gelitten, nicht nur unter der zähflüssigen Übersetzung und dem scheußlichen deutschen Titel. "Dem Glück so nah" klingt kitschiger, als es ist und vergrätzt damit sicherlich schon mal per se Leser. Und leider dauert es, bis man in den Roman hinein findet, obgleich die Grundidee und die abwechselnde Erzählweise von Gegenwart und Vergangenheit wirklich schön sind.DSC00383
Aus der Gegenwart begegnen wir Roberta, die in einem kleinen, alten Buchladen arbeitet und Briefe sammelt, die sie in den Gebrauchtbüchern findet. Roberta ist (leider) keine besonder sympathische Hauptfigur, sodass sie es einem schwer macht, den Roman zu mögen. Schön dagegen ist die Geschichte aus der Vergangenheit, die von Dorothy Sinclair und ihrer großen Liebe, einem großen Geheimnis und viel Traurigkeit handelt. Leider endet das Buch schließlich ziemlich abrupt, sodass man als Leser ein wenig frustriert da steht. Für den geübten Leser hat sich das Puzzle ohnehin schnell zusammen gefügt, daher war man dem Leserglück so nah bei diesem Roman und wurde doch ein wenig enttäuscht. Schade. 

DEM GLÜCK SO NAH, Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-404-17208-5

Dienstag, 21. Juli 2015

Zuckersüße Presse

Fotofail :)
Artikel aus der Odenwälder Zeitung vom Juli 2015: Ein ganz besonderes Geschenk zu ihrem 30. Geburtstag am 4. Juli hat sich Autorin Marissa Conrady in diesem Jahr gemacht: Die Veröffentlichung ihres siebten Romans „Zuckermandeln“.  Die Idee zu ihrem Roman verfolgt sie schon seit einiger Zeit. Auch dieses Mal knüpft Conrady an ihre Vorgänger-Geschichten an. Wer diese Romane kennt, der bekommt neue Hintergründe dazu und  erlebt eine weitere Geschichte. Aber auch Leser, denen die Vorgeschichten noch nicht bekannt sind, können den Roman bedenkenlos lesen. „Beeinflusst von den Untersuchungen meiner Doktorarbeit, habe ich dieses Mal sehr viel mit Orten, Örtlichkeiten und ihren Bedeutungen gearbeitet“, erzählt die Autorin von ihrem neuen Roman. 
zuckDieses Mal hat Marissa Conrady eine Geschichte um Lehrerin Malve und ihren Freund Remy ersonnen. Nach einem Urlaub kommt Remy nicht wieder zurück in sein altes Leben. Erst nach einiger Zeit fällt seinen Freunden sein Fehlen auf. Remy hat, nach dem Tod seines jüngeren Bruders Renja, eine schwere Zeit hinter sich. „Fast ein ganzes Jahr. Elf Monate. Mehr als dreihundert Tage war es jetzt her, dass sie Remy zuletzt gesehen hatte. Es hatte keinen Streit gegeben. Sie hatten sich lediglich nach ihrer letzten Verabschiedung nicht wieder gesehen“(aus „Zuckermandeln“). Malve will nicht akzeptieren, dass Remy fort gegangen ist und macht sich auf die Suche nach dem Mann, den sie liebt. Aber, wird sie ihn am Ende auch finden? „Frei nach Diogenes‘ „Ich suche einen Menschen“ habe ich mir die Frage gestellt, was passiert, wenn ein geliebter Mensch einfach so verschwindet“. 
DSC00375Es sei nicht nur deswegen ein emotionales Projekt gewesen, nicht nur, weil sie der Roman schon einige Jahre begleite. „Am Ende fiel es mir sehr schwer, meine Protagonisten gehen zu lassen. Ihre Geschichten sind erzählt, aber vielleicht begegnen sie mir eines Tages noch einmal. Ich würde mich freuen, wenn ich Malves oder Remys Geschichte noch einmal aufnehmen und weiter erzählen könnte“. An einem neuen Roman arbeitet die studierte Germanistin ebenfalls schon. „Es gibt einige neue Ideen und Ansätze, aber wo diese letztlich hinführen wird sich erst im Verlauf des Schreibens zeigen“.
Den 256 Seiten dicken Roman „Zuckermandeln“ gibt es mit der ISBN 978-3-7375-5543-2 im Buchhandel oder über die Autorin, wie auch alle anderen Romane. Außerdem gibt es einige Exemplare bei J. Bach in der Ludwigstraße 65 in Wald-Michelbach. 
Wie immer auch bei epubli: http://www.epubli.de/shop/buch/Zuckermandeln-Marissa-Conrady-9783737555432/46450. 

Montag, 20. Juli 2015

Wohin denn ich?

Quelle: Julia Engelmann
Ich gebe  es ungerne zu, aber es ist wohl so: Ich befinde mich in der Quarterlife Crisisja, diesen Begriff gibt es wirklich. Wikipedia sagt, sie sei der „Zustand der Unsicherheit im Lebensabschnitt nach dem Erwachsenwerden“ – und genauso fühle ich mich. Ich bin seit einigen Wochen dreißig Jahre alt. In meinem Alter war meine Mutter schon sechs Jahre verheiratet, ich war fünf Jahre auf der Welt.
Ich habe neulich gelesen, dass sich die Adoleszenz, das Erwachsensein, immer weiter nach hinten verschiebt – und wenn ich mich so in meinem Freundeskreis umsehe, oder nur mich als Beispiel nehme, dann habe ich das Gefühl, dass das wirklich stimmt. Ebenso habe ich neulich einen wunderbaren Artikel gelesen. „Das Jetzt ist eine Wartehalle“ beschreibt den Zustand meiner Generation, den Zustand der Generation Y, schmerhaft genau.
Darauß stammt folgendes Zitat: Meine Mitbewohnerin, die so alt ist wie ich, beendete kürzlich ganz ernst einen Satz mit „Und dann saßen neben uns noch ein paar Erwachsene“. Ich glaube, das beschreibt ganz gut, wie es ist. Viele von uns, nicht alle, aber viele, würden sich niemals als erwachsen bezeichnen, auch wenn der zwanzigste Geburtstag schon eine ganze Ecke her ist. Ich bin beleidigt, wenn Teenager mich siezen. Ich bedanke mich, wenn ich an der Kasse wegen der Flasche Gin nach dem Ausweis gefragt werde. […]Einen Tag vor meinem 30. Geburtstag stieg ich in den Bus. Er war voller lärmender Grundschüler. Eifrig erhob sich ein dicklicher Junge: „Wollen Sie sich setzen?“ – Ist es also egal, ob 18 oder 30, ob 45 oder 77. Dabei fühle ich mich gar nicht so alt, wie ich bin! Ganz zu schweigen davon, dass heute 13-Jährige älter aussehen, als ich!
Als ich 18 war, habe ich ein 14-tägiges Praktikum in einem Kindergarten absolviert. Eines Morgens fragte mich die kleine Gianna: „Wie alt bist Du?“ „18“, antwortete ich. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen: „SOOOOO alt?“ Sie dachte einen Moment nach. „Hast Du einen Mann?“ „Nein, ich habe keinen Mann“. „Hm. Kochst Du dann für Dich alleine?“
Wenn man ein Kind ist, dann ist 18 unvorstellbar alt. Und die Werte, mit denen man sein Leben und seine Ziele definiert, eben diese: Mann, Familie, keine Einsamkeit.
Auch Julia Engelmann beschreibt diesen Zustand in ihren Gedichten. Wenn man darüber spricht – oder von Anderen Ähnliches hört, ist es nicht mehr so beängstigend, nicht zu wissen, wen oder wann man heiratet. Ob man eines Tages Kinder haben wird, will oder kann. Oder nicht weiß, was man eigentlich arbeiten will (oder kann). Ich kann mir für mich alles oder nichts vorstellen, und eigentlich will ich es auch gar nicht so genau wissen. Es ist Jammern auf höchstem Niveau: Wir, die Generation Y, lassen uns Dahintreiben, aus Angst, irgendwo ankommen zu müssen. Ich bin schon überfordert, wenn ich Termine ausmache, die ich einhalten muss. Von wöchentlichen Verpflichtungen möchte ich gar nicht reden. Selbst ein Treffen mit Freunden wird zu einer schweißtreibenden Herausforderung. Und wenn man dann doch einmal nichts zu tun hat, erscheint der Tag langweilig und eintönig. Meine Berufswünsche pendeln zwischen Nobelpreisträgerin und Hausfrau und erfassen jede Nuance dazwischen. Zurzeit arbeite ich als Nachhilfelehrerin. Ich opfere mich auf, nicht für alle Schüler, aber für die, die es wert sind. Und es ist mir eigentlich ganz recht, dass darüber Einiges an Arbeit liegen bleiben muss. 
Uns, den Ende der Achtziger Geborenen, wird gesagt, dass man flexibel sein muss, dass nichts für immer ist und die Rente sowieso nicht mehr existiert, bis wir dran sind. In uns paart sich Unverbindlichkeit mit Fatalismus und einem Schuss abenteuerlustigem Tanz-am-Abgrund-Gefühl. Heraus kommen dabei entweder BWL-Studenten mit 60-Stunden-Praktika oder solche wie ich.
Meine Tage strukturieren sich um die Arbeit. Morgens tue ich nicht allzu viel. Ich lese und beantworte E-Mails, mache eventuell (und unter tausend Schweißausbrüchen) Termine aus. Das Zimmer müsste gesaugt werden und der Schrank ein- und aufgeräumt. Aber das geht auch morgen noch. Am Mittag muss ich zur Arbeit. Dafür bereite ich Unterricht vor oder nach. Ansonsten habe ich keine Verpflichtungen für diesen Tag. Und das klingt wirklich himmlisch, ich weiß. Aber mittlerweile ist es eine Art Dauerzustand für mich und ich kann gar nicht so oft gähnen, wie es mich ermüdet.
Nebenbei, dachte ich, kann ich fix promovieren. Aber das war ein fataler Denkfehler. Meine Materialien habe ich sorgfältig zusammen getragen, die Lektüre farblich vorbereitet. Das Dokument angelegt. Aber das Nebenbei findet dennoch nicht statt. Ich kann nicht auf beiden Festen gleichzeitig tanzen. Dazu reichen Konzentration und Stärke nicht aus. Wenn mich meine Schüler fragen: „Was arbeitest Du eigentlich?“, antworte ich: „Ich promoviere“.  Das klingt nach viel Arbeit und viel Intelligenz, aber ehrlich, das ist es nicht. Es fühlt sich an, als würde ich einfach auf eine sehr lange Zeit verteilt einen sehr, sehr langen Aufsatz schreiben. Die meisten meiner Freunde, die mit mir zusammen studiert haben, sind weg, weil sie nicht promovieren wollten, sondern arbeiten. Die Freunde, die noch hier sind, studieren noch und haben den ganzen Tag Vorlesungen und Seminare und bereiten Referate vor. Nur ich bin einfach so da. 

DSC00050Was danach kommt, weiß keiner

Das Jetzt ist eine große, langweilige Wartehalle. Aber vor dem Danach habe ich auch Angst, weil das Danach bedeutet, in die wirkliche Welt zu müssen. Die Uni ist ja nicht die wirkliche Welt. Die Uni ist eine Käseglocke mit Semesterticket und Studentenversicherungen, WG, Mensaspargel für zwei Euro, und für alles gibt es eine Beratungsstelle. Wir haben viel Zeit, ohne dass uns jemand sagt, wir hingen nur rum, denn wir studieren ja, wir machen etwas Wichtiges und Respektables und arbeiten mit unserem Kopf. Genauso ist es mit der Arbeit. Ich arbeite mit dem Kopf und bin abends geistig ausgelaugt. Daher bleibt für das Promovieren wenig übrig.
Beim Arbeiten denke ich, sehe ich das richtige Leben. Aber dann, facebook auf, heiraten Schulkameraden, bauen Häuser, bekommen Kinder. Und was ist mit mir? Ich bin wieder nur so da. Irgendwo. Irgendwie.
Es gibt Dinge, die stellt man sich im Vorhinein spektakulärer vor, als sie dann tatsächlich sind. Der erste Schultag, der erste Sex, das Abi – und Doktorand werden. Ich stellte es mir jedenfalls wahnsinnig hürdenreich und aufregend vor, eine Promotion anzufangen, so surreal und abgehoben, weil, Doktorarbeiten schreiben ja irgendwie immer nur die anderen. Es ist auch nicht so, als hätte ich das schon immer unbedingt vorgehabt, aber in Kunstgeschichte ist es wie in Bio oder Chemie: Entweder du promovierst, oder du sortierst im Rewe die Regale ein. (Kann eine Germanistin nur bestätigen).
Viele denken, man ist selber schuld daran, wenn man halt Kunstgeschichte studiert, […] Wir sind einfach zu viele. […] Unvermeidlicherweise kam ich dann irgendwann in eine sehr große Welchen-Sinn-hat-mein-Fach-Krise. Diese Krise ist vor allem unter Geisteswissenschaftlern weit verbreitet, ausgelöst durch das gehäufte Hören der schlimmsten Frage, die man Studenten stellen kann: „Und was macht man dann damit?“ Wenn ich für jedes Mal, bei dem mir diese Frage gestellt wurde, einen Euro bekommen hätte, müsste ich sie heute nicht mehr beantworten. Am Anfang habe ich noch verschämt geguckt und dann eine sehr lange Antwort gegeben, […]] Inzwischen beantworte ich die Frage nicht mehr.
Die Uni ist ein bisschen wie der erste Tag am Gymnasium: Die Kleinen schauen die Großen an und denken, dass sie niemals so gebildet und erwachsen und abgeklärt sein könnten. Und die Großen schauen die Kleinen an, fragen sich, wo die letzten fünf, sechs, sieben Jahre geblieben sind, und kreischen dann auf Partys immer ein bisschen zu laut, um sich selbst zu versichern, dass es noch ein langer Weg bis zum Altsein ist. So ist es an der Uni auch, aber grausamer. Weil für die Abiturienten das Leben ja trotzdem irgendwie gerade erst anfängt, aufregend zu werden. Wenn man an der Uni beginnt, alt zu werden, weiß man: Jetzt kommen nur noch Bausparvertrag und Kindersitz.
Wohin geht man denn dann? Wenn man wie ich keine Ahnung hat, weil man weder eine bevorstehende Hochzeit noch ein Wahnsinns-Jobangebot hat, dann ist das eine ziemlich schwierige Frage. Ich habe keine Ahnung. An manchen Tagen macht mir das große Angst. Dann bleibe ich im Bett, gucke „Friends“, und wenn das Telefon klingelt, geh ich nicht ran. Die letzte Woche war voller solcher Tage.
Auch ich sehe mir dann eine stumpfsinnige Sendung an, meistens im Abendprogramm. Unter Tag lese ich dann ein Buch. Oder ich gehe ins Theater. Weltflucht nennt man das wohl. Quarterlife Crisis go home! 
Wer herausfinden will, ob er/sie sich in der Quarterlife Crisis befindet, kann sich hier testen: http://www.quarterlife-crisis.de/test.html PS - Ich habe 56 Punkte = 78 % der Gesamtpunkte erreicht. Nur hilft mir die Auswertung nicht weiter. Überraschung! 

Donnerstag, 16. Juli 2015

Presse

Odenwälder Zeitung vom 16.Juli 2015

Mittwoch, 15. Juli 2015

Was am Ende wichtig ist

DSC_0010 Mia "Rabbit" Hayes ist Anfang vierzig, allein erziehende Mutter von Juliet und sie hat Krebs im Endstadium. Mit ihrem Einzug in ein Hospiz beginnt der Roman von Anna McPartlin "Die letzen Tage von Rabbit Hayes". Es ist also von Anfang an klar, worum es geht und wie der Roman enden wird. Das macht ihn aber nicht weniger lesenswert. Zwar hat er mich nur am Ende wegen eines wunderbaren Satzes zu Tränen gerührt, ich fürchte aber, dass ich langsam eine abgebrühte Leserin werde. 
Besonders an diesem Roman ist, dass er immer wieder aus anderen Perspektiven erzählt wird. RabDSC_0011bits Mutter, Vater, Schwester, Bruder und ihre Tochter kommen zu Wort. Aber auch Rabbit selbst. Die erzählt nicht nur die Geschichte ihres Sterbens, sondern blickt auch zurück auf ihr Leben und ihre große Liebe. Durch diesen Perspektivwechsel und die Rückblenden wird das ansonsten Unerträgliche erträglich, ja sogar lustig und schön. Neun Tage lang ist man als Leser beteiligt an Rabbits letzten Tagen, aber es ist, als ob man selbst irgendwie zur Familie gehört.
Ein Roman, der nicht nur ein wirklich schönes Cover hat, sondern auch einen dementsprechenden Inhalt - Tipp für Sommertage im Garten!

Die letzten Tage von Rabbit Hayes, rororo

ISBN 978-3-499-26922-6

Montag, 13. Juli 2015

Räuber in der Krise

DSC00374Fast fühlt es sich so an, als wäre man im Mannheim des Jahres 1782, dem Jahr, in dem Schillers "Die Räuber" dort im Nationaltheater uraufgeführt wurde. Die Zuschauer sind unruhig, das Stück ist es auch - und ehrlich gesagt weiß auch ich dieses Mal nicht so recht, was ich dazu sagen soll. Sehenswert und ein absolutes Muss ist das Stück in der Inszenierung von Calixto Bieito in jedem Fall, vielleicht gewollt angelehnt an die Inszenierung damals, welche von den Einen als skandalös empfunden wurden, von den Anderen als genau angebracht, nicht zuletzt wegen der kritischen Haltung dem Feudalsystem gegenüber.
So also auch im Jahre 2015 in Mannheim. Schiller, das wissen wir, kann dieser Inszenierung nicht mehr heimlich beiwohnen, aber er hätte sicherlich seine Freude daran gehabt (nicht zuletzt wegen der Spaltung des Publikums). Die Bühnentechnik ist überwältigend und viel - da bewegt sich ein Haus über die Bühne, im Hintergrund gibt es "Wald- und Wiesenszenen" auf Leinwand und mittendrin ergießt sich ein Regen über die Schauspieler. Das ist es allemal wert, das gut zwei Stunden lange Stück zu sehen. (Wem das nicht reicht: Es gibt auch nackte Haut zu sehen...) Vor allem aber hat mir der Schwerpunkt dieser Inszenierung gefallen. Es geht nicht nur um das Räubersein, sondern viel mehr um den Konflikt der ungleichen Brüder, ihre Konflikte untereinander, mit dem Vater, der Liebe und dem Leben. Dieser Fokus gibt dem Stück neue (ungewohnte) Dramatik. 
Hier ist Vater (und [prügelnder] Pater!) Graf von Moor kein liebenswerter Alter, dem das Herz durch den intriganten Zweitgeborenen gebrochen wird. Jacques Malan hat etwas Dunkles, es wird fast verständlich, dass sein Sohn Franz in diesem Mann nach Liebe sucht. Denn Franz (verletzlich, lüstern und einsam: Sascha Tuxhorn) sieht sich gegenüber seinem älteren Bruder Karl (nicht nur von der Natur) benachteiligt. So intrigiert er mehr aus Verzweiflung denn aus Hass gegen diesen. Er unterschlägt seinem Vater ein Reuegesuch des Bruders, der es während des Studiums in Leipzig wild getrieben hat. Eingelullt durch den Jüngeren, verstößt Maximilian seinen Karl und Franz wird Alleinerbe. Nun beginnt das eigentliche Drama: Franz verzweifelt, denn er kann nicht mehr zurück kehren zu seiner Familie und seiner Geliebten Amalia. Er geht in die böhmischen Wälder, wird (aus Verzweiflung?) ein Räuber und Mörder. Und Franz versucht, seinen Vater zu töten und Amalia für sich zu gewinnen. Karl (mal wild, mal sanft, eben (k)ein echter Räuber: David Müller) fühlt sich in der Rolle des Räuberhauptmannes aber nur solange wohl, bis die Gewalt in der Bande überhand nimmt. Mit dafür verantwortlich sind vor allem Julius Forster (herrlich psycho) und Boris Koneczny (ein aalglatter, böser Spiegelberg). [Und ja, es sind sehr "moderne" Räuber...] Karl will zurück, nicht zuletzt, als ihn eine Begegnung mit einem neuen Räuber an seine geliebte Amalia erinnert (beide Rollen, was soll ich sagen, die vielseitige und wunderbare Katharina Hauter). Doch Karls Rückkehr nach Hause endet mit Toten...
schiller
Klischeehaft ist es ja schon ein wenig, das Drama, dessen zentrales Motiv der Konflikt zwischen Verstand und Gefühl, zentrales Thema das Verhältnis von Gesetz und Freiheit, hier unter das Leitmotiv eines Familienkonfliktes dar zustellen. Es mag nicht Jedermanns Sache sein, sorgt daher für Unruhe und gespaltene Meinungen, wie einst Schiller selbst. Ein Stück, über das es noch so Vieles zu sagen gäbe, das aber am Ende doch eher sprachlos macht.
„Was Medikamente nicht heilen, heilt das Messer; was das Messer nicht heilt, heilt das Feuer; was aber das Feuer nicht heilt, das muss als unheilbar betrachtet werden.“ 
Die Räuber - IM RAHMEN DER 18. INTERNATIONALEN SCHILLERTAGE 2015: https://www.nationaltheater-mannheim.de/de/schauspiel/stueck_details.php?SID=1969

Freitag, 10. Juli 2015

Süß wie Zucker

zuckSüß wie Zucker ist mein neuer Roman "Zuckermandeln". Und traurig. Und hoffnungsvoll. Und überraschend. Und so voller Liebe. Und ja, natürlich hängt mein Herz an diesem siebten Buch. Wie an allen. Es sind ja schließlich alles Kinder meiner Gedanken und Gefühle. Dieses siebte Buch habe ich zwei Tage nach meinem 30. Geburtstag veröffentlicht, daher hat es einen besonderen Hintergrund für mich. Aber auch, weil ich an die Geschichte aus "Käferjahr", "Dämmerdunkelküsse" und "Schwalbenhimmel" auf ganz andere Art noch einmal anknüpfen konnte. Dieses Mal geht es um Remy, Renjas Bruder, den einige von Euch noch aus den anderen Romanen kennen. 
Nzmsach einem Urlaub ist Remy einfach nicht wieder zurück gekehrt in sein altes Leben - und zu Malve. Für einige Zeit bleibt sein Verschwinden von seinen Freunden unbemerkt. Sie akzeptieren seinen Weggang. Aber Malve will um Remy kämpfen. Er ist die Liebe ihres Lebens. Sie macht sich auf den Weg den Mann zu finden, den sie liebt. Ihre Reise führt sie nach Paris, gefühlt um die halbe Welt und letztlich zu einer Erkenntnis. Wird Malve Remy finden und zurück bringen können?
Antworten gibt es im Roman... Und den gibt es wo? Wie immer (und wie auch alle anderen Romane) über mich [Nachricht genügt] oder bei Epubli, sowie auch über amazon
http://www.epubli.de/shop/buch/Zuckermandeln-Marissa-Conrady-9783737555432/46450